Internationale Migration als spezifische Form räumlicher Mobilität prägt seit je her das alltägliche Leben Berlins. Migrationsprozesse sind in ambivalenter Form Teil der Berliner Erfahrung: BerlinerInnen haben sich immer wieder neu der Herausforderung zu stellen, die Hintergründe der Migrationsströme in ihrer kulturellen Vielfältigkeit zu verstehen und in ihre pluralistische Gesellschaft zu integrieren. Auf der anderen Seite gilt es für die MigrantInnen, die vielen neuen Eindrücke zu verarbeiten und sich selbst einen Platz in der Gesellschaft zu suchen, der – zumindest vorerst und nicht immer freiwillig – das neue Zuhause sein wird.
Das Projekt „ os óculos brasileiros“ bewegt sich am Beispiel der brasilianischen Community vermittelnd zwischen diesen beiden Aspekten. Brasilianische in Berlin lebende KünstlerInnen und SchriftstellerInnen stellen ihre Werke vor und gewähren tiefe Einblicke in ihre persönlichen Wahrnehmungs- und Ausdrucksformen. Sie stellen sich damit der Frage, ob und wie sich ihre Migrationserfahrungen in der künstlerischen Produktion widerspiegeln und bieten gleichzeitig einen Blick auf Berliner Realtitäten von einem Standpunkt aus, sowohl außen vor als auch mittendrin sein kann. Was zeigt uns der Blick durch die brasilianische Brille?